In Vino Veritas

Mein Schwager Alex ist wieder mal angefixt.
Die Droge heisst Fotografie.

Nach einiger Zeit der beruflich bedingten Abstinenz, startet er wieder voll durch.
Eine neue Kamera hat er sich gekauft. Eine spiegellose Sony A7 Mark II.
Und die hat ihn abhängig gemacht. Vollständig!

So kam es, dass er mir Mitte März eine WhatsApp geschickt hat mit dem Wunsch ein Stillleben à la Karl Taylor aufzunehmen. Sein Ziel war es weitestgehend ohne nachträglicher Bearbeitung in Photoshop ein cooles Foto herzustellen.
Alex hat sich viele Videos von Karl angesehen und glaubte das hinzukriegen.

Also haben wir uns für einen Samstag mittag  verabredet und unser Esszimmer zum Produktfotografiefotostudio umfunktioniert. Extra für dieses Shooting hat Alex mit ein paar Latten und Transparentfolie noch zwei übergroße Diffusoren gebastelt. Ich hab ihn dafür belächelt, aber er hatte recht – wir haben sie gebraucht.
Ausgestattet mit jeder Menge Elan und mehreren vollen(!) Flaschen Rotwein machten wir uns an die Arbeit.

erster Versuch

Prinzipiell war das Setting von Anfang an klar. So haben wir auch recht schnell Ergebnisse erzielt. Mit denen waren wir aber nicht wirklich zufrieden. Die Lichtführung am Rande der Flasche und des Weinglases war uns nicht gut genug. Und genau das hat uns auch die meiste Zeit gekostet.
Ziel war es ein durchgängige Lichtkontur zu schaffen die die Form der Flasche und des Glases wiedergibt.
OK. Das war der erste Versuch. Es kamen noch einige und es wurde nicht besser mit der Kontur der Flasche. Der Frust wurde größer, weil das im Video so einfach aussah.
Was macht man in so einem Fall? Flasche tauschen, natürlich. Kann ja nur an der Flasche liegen.

schon ganz gut, aber zu hell

Das Etikett des Lembergers war sowieso nicht mehr ganz festgeklebt, also haben wir den Lemberger gegen einen netten Petri Wein getauscht.
Und plötzlich war das Problem …. immer noch da. Wer hätte das gedacht. An der Flasche lags nicht, zumindest nicht an der mit dem Wein drin. Eher an den Flaschen hinter der Kamera ;-). Das Bild war uns auch noch zu hell.
Nach endlosen Versuchen sind wir dem Endergebnis schon etwas näher gekommen, waren aber nun nicht zufrieden mit der Ausleuchtung des Etiketts der Flasche.

insgesamt bisschen dunkler und punktuell das Etikett angestrahlt

Aber auch hier war in dem Video von Karl Taylor was gezeigt worden, was nun wiederum mir wahre Begeisterungsstürme entlockte. Die selbstgebaute Snoot. What? Eine Schnute sozusagen. Wir haben uns mit Pappe ein paar Trichter gebaut und diese auf ein paar IKEA Jansjö Klemmspots gesteckt, um den Lichtschein zu bündeln und besser lenken zu können. So konnten wir zum Beispiel das Etikett gezielt anstrahlen und beleuchten. Das ging natürlich nur, weil wir mit Dauerlicht fotografiert haben und daher nicht blitzen mussten.
Wir haben noch ein bisschen mit dem Snoot und dem punktuellen Licht auf das Etikett gespielt (so ca. 20 Bilder lang). Nun kam die Feinjustage.

 

Ergbnis ohne Photoshop

Ergebnis mit Photoshop

Der Hintergrund war uns zu dunkel. Also auch hier eine Snoot eingesetzt und hinter der Flasche in Richtung Hintergrund einen untergehenden (oder für die Optimisten unter Euch : einen aufgehenden) Mondschein erzeugt. Die Ausleuchtung des Etiketts wurde verbessert und den Konturen des Glases und der Flasche den letzten Schliff verpasst.
Schließlich musste doch etwas Photoshop herhalten um eine paar Reflektionen zu entfernen und das Etikett noch etwas heller zu machen. Aber das ist wirklich minimal gewesen, wie ihr hier sehen könnt.
Alles in Allem haben wir 64 Fotos gebraucht bis wir zufrieden waren und haben drei Stunden gebraucht. Klingt irgendwie als wären

wir Nerds …

 

Anschließend haben wir noch ein Bild meines derzeitigen Lieblingsgetränks gemacht. Das zugegeben bissel mehr Photoshop erfahren hat, was aber hauptsächlich damit zu tun hat, dass wir nicht genug Snoots hatten, um all die Etiketten zu beleuchten.
Ich finde die Bilder sind recht ansehlich geworden und waren die Mühe wert.

Nun noch ein paar Making-of Bilder, damit Ihr mal seht wie so eine selbstgebaute Snoot aussehen kann und wie der Aufbau des „Studios“ ausgesehen hat.
Mir hat es Spaß gemacht und es hat mich gefreut, dass Alex wieder so motiviert ist.

Aloha
Grinsepix

 

 

 

2 thoughts on “In Vino Veritas

  1. Super Beitrag und die Bilder sind toll geworden. Ihr habt auch echt lange getüftelt bis alles so perfekt war. Auch großes Lob an Eure Improvisation.

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